{"id":3221,"date":"2022-08-17T14:58:10","date_gmt":"2022-08-17T12:58:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.galerieweisserelefant.de\/?p=3221"},"modified":"2022-08-17T14:58:10","modified_gmt":"2022-08-17T12:58:10","slug":"der-archaeologische-gestus-clara-broermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/?p=3221","title":{"rendered":"DER ARCH\u00c4OLOGISCHE GESTUS &#8211; CLARA BR\u00d6RMANN"},"content":{"rendered":"<p><div style=\"width: 625px;\" class=\"wp-video\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('video');<\/script><![endif]-->\n<video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-3221-1\" width=\"625\" height=\"625\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Insta.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Insta.mp4\">https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Insta.mp4<\/a><\/video><\/div><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong><span class=\"_aacl _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade\">CLARA BR\u00d6RMANN<br \/>\nDER ARCH\u00c4OLOGISCHE GESTUS<br \/>\n14. 5. &#8211; 9. 7.2022<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur digitalen Kunst ist es das Privileg analoger Kunstwerke aus \u00e4hnlichem \u201aStoff\u2018 gemacht zu sein wie die Menschen. Ihre materielle Oberfl\u00e4che atmet die gleiche Luft, ist ebenso angreifbar durch physische oder chemische Einfl\u00fcsse, ihre Erscheinung ver\u00e4ndert sich mit dem\u00a0 wechselhaften Licht und der Bewegung ihres Betrachters.<\/p>\n<p>Raum und Zeit als eng an die materielle und menschliche Konstitution angebundene Gr\u00f6\u00dfen finden sich in Clara Br\u00f6rmanns Werk auf verschiedenen Ebenen \u2013 von der an der Bildoberfl\u00e4che ablesbaren, prozessualen Arbeitsweise, \u00fcber die Bildstrukturen und den aus ihnen abgeleiteten Assoziationen bis zur Titelgebung.<\/p>\n<p>\u201eEnde und Anfang\u201c, hei\u00dft das zentrale Werk dieser Ausstellung. Zwei hohe schmale Leinw\u00e4nde stehen dem Betrachter, menschlichen Ma\u00dfen gleich, gegen\u00fcber und spiegeln einander in ihrem identischen Aufbau. In der Gesamtschau ergibt sich ein Kreis, der die Leinw\u00e4nde oben \u00fcberwindet und unten von einer angeschnittenen wei\u00dflichen Sichel eingefasst wird. In warmen Oranget\u00f6nen breiten sich innerhalb des nochmals visuell geteilten Kreises von vier achsensymmetrischen Punkten Strahlen aus, die sich nicht \u00fcberlappen. Das ganze wird von einer dunkelblauen Rahmung gefasst, die sich \u00fcber die Tiefe des Keilrahmens fortsetzt. Der grafisch exakt angelegten Linienf\u00fchrung der Bildstrukturen widersetzt sich eine raue und br\u00fcchige Faktur. Zwischen den Strahlen ist die graue Leinwand offengelegt, an den Bruchkanten zeigen sich die \u00fcbereinanderliegenden Farbschichten.<\/p>\n<p>Woran man sich auch erinnert f\u00fchlen mag, an eine abbl\u00e4tternde Fassaden-Reklame mit Sonnenaufgang am Strand oder an ein zerschlissenes, irisierendes Werk der Op-Art \u2013 es ist diese gebrochene Farbfaktur, welche das Bild in das Moment von materieller Verg\u00e4nglichkeit, von Zeitlichkeit hineinzieht und lesbar macht als Resultat eines Prozesses, in dem die Farbe nicht als Illusionsmittel dient, sondern als Arbeitsmaterial der Malerei sichtbar wird.<\/p>\n<p>Diese prozessuale Bilderscheinung bei Clara Br\u00f6rmann geht auf eine spezifische Arbeitsweise der K\u00fcnstlerin zur\u00fcck, die einmal mit einer arch\u00e4ologischen Ausgrabung verglichen wurde. Wie eine Arch\u00e4ologin, die \u00fcber viele Jahre abgelagerte Erdschichten von einem Artefakt l\u00f6st, arbeitet sich die K\u00fcnstlerin durch die materiellen und zeitlichen Schichten ihres Werks, legt diese und partiell mit der Leinwand den \u201aAnfang\u2018 frei.<\/p>\n<p>Wiederkehrend ist auch das Motiv des Kreises bzw. von Strahlen, die sich zirkelf\u00f6rmig von einem Zentralpunkt ausgehend ausbreiten und zugleich auf ihn zur\u00fcckweisen. Die Deutung des Motivs als Sonne w\u00e4re insofern schl\u00fcssig, als diese auch in der Form eines Wagenrades die Ur-Symbolik f\u00fcr das Vergehen von Zeit darstellt. Der Ausgangspunkt der K\u00fcnstlerin besteht hier allerdings im bildlichen Zusammenschluss zweier Ideen der Renaissance, welche den Menschen und seine Umgebung in idealen Proportionen zu erfassen suchte. Der vitruvianische Mensch konnte von Leonardo stimmig in Kreis und Quadrat gef\u00fcgt werden, indem er ihnen jeweils einen eigenen, versetzten Mittelpunkt gab. Die gegeneinander verschobenen Strahlenkreise bei Br\u00f6rmann weisen zudem auf die Konstruktion der Zentralperspektive, deren Projektionsstrahlen sich in einem gemeinsamen Fluchtpunkt bzw. deren Sehstrahlen sich im starren Augpunkt treffen. Indem die K\u00fcnstlerin ihre Geometrien bricht, versetzt und umkehrt, bringt sie nicht nur das Auge des Betrachters in Bewegung. Das Bild als proportionales und physisches Gegen\u00fcber animiert den Betrachter seinen gesamten K\u00f6rper in Bewegung zu setzen. Auf diese Weise werden die mehrschichtigen und mehrdimensionalen Aspekte von Clara Br\u00f6rmanns Werken \u00fcberhaupt erst richtig wahrnehmbar.<\/p>\n<p>Und so ist es auch mit den menschlichen Pendants: Wollen wir uns wirklich erkennen, bewegen wir uns am besten gemeinsam in einem Raum, in dem dasselbe Licht auf unsere K\u00f6rper f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>(Text von Dr. Cora Waschke)<\/em><\/span><\/p>\n<p><strong>Clara Br\u00f6rmann<\/strong> (*1982) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildende Kunst bei Prof. Daniel Richter, Prof. Anselm Reyle und Prof. Robert Lucander an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CLARA BR\u00d6RMANN DER ARCH\u00c4OLOGISCHE GESTUS 14. 5. &#8211; 9. 7.2022 Im Gegensatz zur digitalen Kunst ist es das Privileg analoger Kunstwerke aus \u00e4hnlichem \u201aStoff\u2018 gemacht zu sein wie die Menschen. Ihre materielle Oberfl\u00e4che atmet die gleiche Luft, ist ebenso angreifbar durch physische oder chemische Einfl\u00fcsse, ihre Erscheinung ver\u00e4ndert sich mit dem\u00a0 wechselhaften Licht und der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3221"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3222,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3221\/revisions\/3222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.galerieweisserelefant.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}